[Presseartikel] Herzogenrath erhöht OGS-Kopfpauschale

25.10.2014, Aachener Zeitungsverlage, ePaper

Arbeit der Trägervereine der Offenen Ganztagsschule soll weiterhin gewährleistet werden. Generelle Umstrukturierung gefordert.

 

Herzogenrath. Vielleicht hatten die Verantwortlichen des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur nicht mit so viel Zuspruch gerechnet. Aber letztlich dürften es mehr als 130 Eltern und Kinder gewesen sein, die gegen die aktuellen Verhältnisse bei der Offenen Ganztagsschule (OGS) protestierten. Laute Trillerpfeifen, Plakate, mit der Aufschrift „So geht es nicht weiter!“ oder „OGS funkt SOS“, die Groß und Klein trugen, waren vor allem vor dem großen Sitzungssaal im Rathaus zu sehen. Da nur 70 Zuschauer im Saal sein dürfen, musste die Stadt am Entree Karten verteilen und das Gros der Demonstranten sollte draußen warten. Eine Sache, die für Wilfried Hammers „ein Unding“ war: „Man hätte die Versammlung auch verlegen können“, sagte er, der die Demonstration vor dem Rathaus angemeldet hatte (siehe auch Box).

Im Kern ging es dabei um die Finanzierung, größtes Problem und zugleich größte Sorge der Koordinatoren hinter dem vor zehn Jahren ins Leben gerufenen und immer besser angenommenen Projekt. Was es aber bedeutet, sich täglich neu der Herausforderungen der OGS zu stellen, zeigte Frank Lohse, Fachberater für den Verein „Betreute Schulen“ Aachen-Land, besonders eindringlich. Er inszenierte ein kleines Theaterstück, in dem er die Rolle der zehnjährigen Marion übernahm. In deren Person schilderte er, wie vielfältig die Aufgaben der an der OGS Beteiligten sind, mit welchen Rahmenbedingungen sie zurechtkommen müssen und welche Arbeit sie trotz der manchmal unüberschaubaren Flut an Aufgaben leisten.

Da war von wenig Zeit für die vielen Probleme der Kinder die Rede, da wurde von einer Koordinatorin erzählt, die tagsüber nicht einmal zur Toilette kann, weil sie vor Arbeit kaum ein Ende sieht, und von der Zusammenarbeit mit den Schulen, die auch weit nach Dienstschluss noch an der Lösung von Problemen arbeiten müssen.

„Die Bezahlung ist – positiv ausgedrückt – hundsmiserabel“, sagte Lohse am Ende seines rund 20-minütigen Vortrags. Wie gefragt die OGS ist, verdeutlichte er nicht nur an der steigenden Beliebtheit trotz sinkender Schülerzahlen. Auch die Fakten sprächen dafür, dass die Idee der OGS künftig auf andere Beine gestellt werden muss: Waren es 2007 noch 25 bis 30 Kinder pro Schule, so seien es im laufenden Schuljahr gut 80 Kinder je Schule, die in der Städteregion Aachen täglich die OGS besuchen.

Einen Weg in die Zukunft sahen Politiker aller im Ausschuss vertretenen Parteien darin, dass mehr Geld zur Verfügung gestellt wird. Nägel mit Köpfen wurden auch gemacht, so wurde dem von der SPD eingebrachten Beschlussvorschlag, den freiwilligen Satz pro Kind, den die Stadt Herzogenrath aufbringt, von 135 auf 230 Euro zu erhöhen, einstimmig stattgegeben. Die so 640 Euro pro Kind seien nicht ausreichend, betonte SPD-Sprecher Dr. Manfred Fleckenstein: „Es soll aber ein Signal sein, dass wir als Stadt die Probleme lösen wollen, so gut es uns möglich ist.“

Für die Beibehaltung des anerkannt hohen OGS-Standards sprach sich auch Dr. Bernd Fasel (Grüne) aus. Er forderte entsprechende Rahmenbedingungen, die Renate Gülpen (CDU) mit dem Wunsch, die OGS-Finanzierung in den Pflichtaufgabenbereich zu übernehmen, verband: „Wo Schule draufsteht, muss auch Schule drin sein“, sagte sie und forderte in einem „überschaubaren Zeitraum“ Abhilfe für die Finanzierungsprobleme der OGS. „Wir sind sehr wohl bereit, in anderen Bereichen Einsparungen vorzunehmen“, sagte FDP-Vertreter Christoph Pontzen. Toni Ameis (Linke) forderte, dass dem Ruf nach Bildung auch gute Grundlagen folgen müssten. „Die OGS ist keine Verwahranstalt für Kinder“, sagte Piraten-Sprecher Kai Baumann, „hier wird hochwertige Arbeit abgeliefert.“

Die Abstimmung nach gut 90-minütiger Debatte brachte einhellige Zustimmung für das Plus von 95 Euro. „Eine Erhöhung ist immer positiv“, sagte Frank Lohse, „aber in wenigen Monaten sind die Probleme wieder da.“ (mabie)

„Ein anderer Raum hätte sich finden lassen“

Der Ärger darüber, dass die Stadt nicht einen anderen Versammlungsort gewählt hatte, der die erwartbar große Menge an Protestlern hätte aufnehmen können, brannte dem Anmelder der Demo, Wilfried Hammers, sicht- und hörbar auf der Seele. „Ich bin der Meinung, dass in Herzogenrath auch das möglich sein müsste, was in anderen Kommunen Praxis ist, dass man sich nämlich bei erwartet hohem Publikumsandrang mit dem entsprechenden Vorlauf einen geeigneten Raum – auch außerhalb des Rathauses – sucht, den man zum Beispiel mit der in der Nähe liegenden Regenbogenschule sicher auch gefunden hätte“, sagte er.

Darüber hinaus zeigte er sich entsetzt, dass dem sonst so lauten Ruf nach Bürgerbeteiligung in diesem Fall, wo viele Menschen ihre Meinung vertreten wollten, nicht nachgekommen worden sei: „Kommt mal jemand und kommen auch noch viele und zeigen Interesse, dann werden sie vor der Rathaustür mit einer technisch schlechten Bürgermikroanlage und Übertragungshemmnissen abgespeist, und es steht zu befürchten, dass die nie mehr wiederkommen.“ So verstehe er Politik im Dialog nicht. (mabie)

„Wo Schule draufsteht, muss auch Schule drin sein.“

Ratsverordnete

Renate Gülpen (CDU)

 

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