[Presse] Kaum Schulschwänzer in Herzogenrath

Mit unentschuldigten Fehlstunden haben die Schulen nur selten zu tun. Wenn doch, ist die Gesetzeslage wenig hilfreich.

Herzogenrath. Schulschwänzen ist in Herzogenrath offenbar kaum ein Problem. Auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, Piraten und Unabhängige Bürgerliste hat die Verwaltung die Schulen aufgefordert, sich zum Thema zu äußern. Heute Abend wird das Thema im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur diskutiert.

Die Grundschulen Klinkheide, Kohlscheid-Mitte, Alt-Merkstein und Kämpchen haben nach eigenen Angaben kein Problem mit Schulschwänzern. Die Eltern seien verpflichtet, ihr Kind bis acht Uhr morgens bei Krankheit oder anderen Anlässen telefonisch im Sekretariat zu entschuldigen, heißt es seitens der Grundschule Kämpchen. Fehle ein Kind unentschuldigt, werden die Eltern sofort angerufen, um sicherzustellen, dass auf dem Schulweg nichts passiert ist.

Gute Zusammenarbeit

An der Regenbogenschule, Standort Mitte und Bierstraß, sieht die Situation etwas anders aus. Aktuell könnten drei Familien nicht für den geregelten Schulbesuch Sorge tragen. Laut Schulleiter René Heeg klappt die Zusammenarbeit mit allen Mitwirkenden allerdings sehr gut, auch wenn die Formalien, die ein solches Verfahren begleiten, sehr aufwendig, zeitraubend und nicht immer zielführend sind. Denn Ziel sei es schließlich, den Kindern eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen und nicht Eltern zu bestrafen oder Sanktionen zu erheben.

„Fehlzeiten über mehrere Wochen sind aus unserer Sicht dabei leichter zu verfolgen als das regelmäßige Fehlen an einzelnen Tagen in der Woche.“

René Heeg, Schulleiter der Regenbogenschule

Eine große Schwierigkeit im formalen Ablauf sieht Heeg in der Möglichkeit für Eltern, sich aus der Verantwortung zu winden und vor allem auch in der Dauer der Verfahren. Denn bevor Konsequenzen erfolgen könnten, müssten von Seiten der Schulen viele Vorgaben erfüllt werden, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Das sei Zeit, die den Kindern mit jedem Fehltag verloren geht. „Fehlzeiten über mehrere Wochen sind aus unserer Sicht leichter zu verfolgen als das regelmäßige Fehlen an einzelnen Tagen in der Woche“, sagt Heeg.

Ein Problem, das auch die Käthe-Kollwitz-Schule benennt. Zwar habe sie keine ständigen Schulschwänzer, aber wenn, dann wäre das Gesetz eher eine Hürde als eine Hilfe. Das Schulamt fordere eine lückenlose Dokumentation von Maßnahmen. Diese Probleme kann die Verwaltung bestätigen. Laut Gesetz kann den Eltern für unentschuldigte Fehlstunden rückwirkend für drei Wochen ein Bußgeld auferlegt werden bis hin zu einer zwangsweisen Zuf,ührung zum Unterricht durch das Ordnungsamt bei anhaltenden Fehlzeiten von mehr als drei Tagen.

An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule kommen Schulschwänzen und unentschuldigte Fehlstunden in Einzelfällen vor. Häufig habe letzteres vor allem mit häuslicher Überlastung oder auch mangelnder Fürsorge zu tun, teilt Rektorin Astrid Lorenz mit. Bei auffallendem Fehlverhalten und Verdacht auf Schwänzen erfolge seitens der Schule eine telefonische Kontaktaufnahme mit den Erziehungsberechtigten.

Generell werde ein ärztliches Attest verlangt. Bei wiederholtem Fehlen suchen die Schulsozialarbeiter die Familie auf. Bei Andauern des Fehlverhaltens bittet die Schule das Ordnungsamt, das Kind abzuholen und zur Schule zu bringen. Spätestens das führe zur Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt. Das sei bisher erst einmal vorgekommen.

Strenge Überprüfung

An der Städtischen Gesamtschule in Kohlscheid gibt es in den höheren Jahrgängen steigende Absenz-Zeiten, teilt Schulleiterin Barbara Onkels der Verwaltung mit.

Die Anzahl der Schwänzer steigt gleichermaßen wie die Anzahl der geschwänzten Stunden. Die Ursachen sind laut Schulleitung vielfältig. Vergessene Entschuldigungsschreiben durch unzuverlässige Eltern sind ebenso zu nennen wie tatsächliches Schwänzen ohne Wissen der Eltern. Psychische Probleme und Schulangst führten außerdem zum Fernbleiben.

Seitens der Europaschule Herzogenrath heißt es, dass „Schulabsentismus“ im Promillebereich liege. Der Schulbesuch werde engmaschig überprüft. Erziehungsberechtigte, deren Kind länger als fünf Tage unentschuldigt vom Unterricht fernbleibt, würden dreimal schriftlich aufgefordert, der Schulpflicht nachzukommen. In diesen Schreiben werde darauf verwiesen, dass im Falle der Nichteinhaltung das Ordnungsamt mit der „Zwangszuführung“ und Bußgeldbescheiden eingeschaltet wird. Schüler, die immer wieder den Unterricht versäumen, werden per Konferenzbeschluss mit Attestpflicht belegt.

Am Städtischen Gymnasium Herzogenrath komme es nur in seltenen Fällen vor, dass Schüler über einen längeren Zeitraum oder wiederholt unentschuldigt fehlen. Allerdings habe die Anzahl psychischer Probleme und auch die Zahl der Schüler, die wegen unklarer Beschwerden (etwa Kopfschmerzen) fehlen, zugenommen. In drei Fällen habe man Schüler zum Gesundheitsamt geschickt, das wiederum feststellte, dass keine besondere gesundheitliche Beeinträchtigung vorliege, und der Schüler am Unterricht teilnehmen könne.

Was denkst du?