[Presse] E-Bike-Verleih kommt bald auch nach Herzogenrath

Aachener Zeitungsverlage

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung: 24. April 2018, 17:45 Uhr
Frisch geladen und einfach in der Handhabung: Wie hier am Städteregionshaus in Aachen sollen auch in Herzogenrath bald die robusten E-Bikes des Aachener Start-ups Velocity reihenweise zum Einsatz bereit stehen. Fotos (2): Beatrix Oprée Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Die steile Geilenkirchener Straße verlangt Radfahrern einiges ab. Diese Erfahrung musste jetzt auch Dr. Armin Langweg machen, zuständig für die Verkehrsentwicklungsplanung und das Mobilitätsmanagement in der Stadt Aachen. Eigens mit dem Rad war er nach Herzogenrath gekommen, um im Bau- und Verkehrsausschuss für ein Projekt zu werben, das Radfahrbegeisterten das Leben in der von Steigungen geprägten Stadt erheblich leichter machen kann.

#AachenMooVe! heißt ein Vorhaben, erfolgreicher Beitrag im Zuge des Wettbewerbs KommunalerKlimaschutz.NRW, das mit Landes- und EU-Mitteln auch im Umland Aachens Mobilitätskonzepte zur Verringerung von Emissionen wie Treibhausgasen und Stickoxiden umsetzen will. Und zum Konzept gehören Verleihstationen für E-Bikes, wie sie das Unternehmen Velocity in Aachen erfolgreich anbietet.

Nicht schwitzend ankommen

Und das ursprünglich mal entstanden sei, weil Studenten nicht mehr verschwitzt in die Vorlesungen kommen wollten, wie Velocity-Mitarbeiter Florian Zintzen dem Ausschuss berichtete. 20 Velocity-Stationen gibt es in Aachen bereits, dazu eine in Kerkrade. Das Konzept ist auf eine möglichst problemfreie Bedienung ausgelegt. Räder können – anders als beim Carsharing in der Städteregion – an einem Standort entliehen und an einem anderen wieder angedockt werden.

„Dabei wird es automatisch verriegelt und aufgeladen“, wie Zintzen erläuterte. Wer als Nutzer bei Velocity angemeldet ist und ein Rad entleihen möchte, kann sich über ein Dashboard auf der Firmenhomepage (natürlich auch per App) kundig machen, wo Räder bereitstehen und welchen Ladezustand sie haben. Beim Anmelden an der Ladesäule wird dann automatisch das am meisten geladene Rad freigegeben.

Die Höheneinstellung des Sattels ist dank eines handlichen Riegels einfach zu bewerkstelligen – und schon kann man losstrampeln. „Je stärker getreten wird, umso stärker reagiert der Motor“, erläuterte Zintzen die Einfachheit der Bikes, die bewusst ohne Gangschaltung und sehr robust konstruiert worden seien.

Auch wenn das komplette System softwaregesteuert sei, so versicherte Zintzen ergänzend, finde kein GPS-Tracking statt, das heißt, Fahrten würden nicht verfolgt, sondern die Räder jeweils nur bei Entnahme und Abgabe an den Stationen registriert. Und: Grundgebühren fielen nicht an, es sei nur zu zahlen, was genutzt werde. So zahlt ein Gelegenheitsfahrer 1,50 Euro pro halbe Stunde, 12 Euro kostet das Monats- und 78 Euro das Jahres-Abo.

In Aachen wird Velocity besonders im studentischen Umfeld bereits rege genutzt, wie man den Stationsinfos im Internet entnehmen kann. Insgesamt 120 Stationen mit immerhin 1000 Rädern alleine für Aachen sind in Planung, in 2018 sollen zunächst 30 weitere auf die vorhandenen 20 Stationen folgen. Je mehr Andockstellen auch im Umfeld des Oberzentrums dazu kommen, umso besser. Denn das Konzept lebt von der Dichte des Netzes. 600 aktive Nutzer gibt es in Aachen, registriert seien viel mehr, wie Zintzen darlegte. Und: Die Klientel habe sich mittlerweile bereits gewandelt, längst seien auch viele ältere Menschen bei den Nutzern.

Die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses in der Rodastadt nahmen es wohlwollend zur Kenntnis. „Das ist Musik in unseren Ohren“, kommentierte etwa Dr. Bernd Fasel (Grüne), überzeugt davon, dass Velocity eine „Erfolgsstory“ werde, aber auch betrübt über den Zustand der in Herzogenrath bereits vorhandenen Ladeboxen für E-Bikes (s. Infobox). Die waren auch Johannes Kempen (SPD) aufgestoßen, der für die SPD-CDU-Groko den den Beschlussvorschlag ergänzenden Wunsch nach einer Velocity-Station nicht nur an den Bahnhöfen Mitte und Kohlscheid, sondern auch in Merkstein formulierte.

Nicht zufriedenstellend indes war die Antwort auf den Versicherungsschutz, wie Reimund Billmann (CDU) bilanzierend feststellte. Auf die entsprechende Frage von Norbert Voß (FDP) hatte Zintzen dargelegt, dass es sich bei Leihrädern „leider“ anders verhalte als beim Auto: „Das ist im Prinzip so, als wenn sie ein Rad von einem Freund geliehen haben.“ So trete die eigene Haftpflicht ein. Und Sachschäden am Bike würden über Velocity abgewickelt.

Zufriedenstellender war da die Info in Sachen Vandalismus: Nur in Kerkrade, so Zintzen, habe man bislang richtig Pech gehabt: Da seien am ersten Tag bereits vier Räder aus der Anlage herausgeflext worden, Schaden 20 000 Euro. Dabei könne man außerhalb des Systems aufgrund seiner speziellen Anschlussstecker mit den Rädern nichts anfangen. Und bei leerem Akku seien die 28 Kilo schweren Stahlrösser nur noch schwer zu bewegen. Ansonsten seien die Erfahrungen mit Blick auf Vandalismus eher positiv. Dass auch eine Ausweitung des Angebots auf Lasträder im Blick sei, freute Thomas Göttgens (Piraten).

Einstimmig wurde beschlossen, das Velocity-Konzept in allen drei Stadtteilen anzubieten. Wo genau die 8,40 x 2 Meter messenden Stationen, für die zusätzlich eine Rangierfläche von 2,90 Meter benötigt werden, installiert werden können, so sagte Verkehrsingenieur Joachim Hergesell zu, werde nun geprüft. Der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda denkt im Gespräch mit unserer Zeitung schon weiter: „Velocity ist extrem innovativ. Ich würde mir für Herzogenrath noch eine größere Anzahl an Stationen wünschen, um das Netz zu verdichten.“

Schon breit aufgestellt

Auch in Alsdorf, Baesweiler und Würselen wird an klimafreundlicher Mobilität im Zuge des genannten Förderprogramms gearbeitet. Velocity-Stationen sind hier im Abstimmungsprozess. Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders nennt noch weitere Vorhaben, etwa mit der EWV fünf Radladestationen einzurichten. Zudem sollen die P+R-Parkplätze in Richtung E-Mobilität überprüft werden. Baesweiler sei in Sachen E-Mobilität ebenfalls schon gut aufgestellt, unter anderem mit E-Dienstfahrzeugen und einem E-Transporter für den Bauhof, wie Stadtsprecherin Birgit Kremer-Hodok mitteilt.

Quelle: http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/nordkreis/e-bike-verleih-kommt-bald-auch-nach-herzogenrath-1.1879630

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