[Zeit] In der Region Aachen ist die größte Antiatomkraftbewegung seit den Achtzigerjahren entstanden.

Christian Parth hat für #Überland Protagonisten von „#StopTihange“ getroffen.

Kernkraftwerk Tihange: Die Angst vor dem GAU

Das Misstrauen gegen die Pannenreaktoren im belgischen Tihange wächst. Im Raum Aachen ist die größte Antiatomkraftbewegung seit den Achtzigerjahren entstanden.
Beitragsbild: Grenzüberschreitende Menschenkette gegen Atomkraft im Juni 2017 © Henning Kaiser/dpa

Dieser Text gehört zu unserer Reportageserie „Überland“. Neun Lokalreporter berichten für ZEIT ONLINE aus ihrer Region. Die Serie ist Teil unseres Ressorts #D18, in dem wir Deutschland Deutschland erklären wollen.

 

Im Keller lagert ein Vorrat, der das Überleben für drei Wochen sichert. 15 Kästen Mineralwasser, Doseneintöpfe, Nudeln und Reis. Alice Hermens zeigt das Notfallset, das sie in einer Ikea-Box untergebracht hat: Schutzanzüge, Masken und Jodtabletten. Auf den Ernstfall ist Familie Hermens gut vorbereitet.

Sollten eines Tages die Sirenen schrillen und den Raum Aachen ins Chaos werfen, wird Gereon Hermens im Büro in den weißen Schutzanzug schlüpfen, die drei Töchter aus der Schule holen und sich zu Fuß nach Hause durchschlagen. Bevor der Druck in der Leitung abfällt, wird Alice Hermens die Wassertanks auffüllen und die Meerschweinchen ins Haus holen. Wenn die Familie dann hoffentlich vereint ist, wird sie sich einschließen, das Radio anschalten, auf Instruktionen warten und hoffen, dass sie den Super-GAU möglichst unbeschadet übersteht.

„Wir haben das alles durchgespielt und dabei gemerkt, was das für ein Wahnsinn ist“, sagt Gereon Hermens, ein schlanker, groß gewachsener Mann. „Es gab eine Zeit, in der die Angst großen Einfluss auf unsere Leben hatte.“ Allmählich hätten sie aber etwas Distanz geschaffen, sie nähmen auch nicht mehr an jeder Demo teil. „Manchmal muss man das ausblenden, sonst kann man das gar nicht aushalten.“ Das Ehepaar Hermens sitzt im Garten seines Einfamilienhauses in Brand, einem ländlichen Idyll am Rande Aachens, wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, etwa 70 Kilometer weit weg von Huy, wo jenes Atomkraftwerk steht, das vielen Menschen in der Region seit Jahren Angst macht: Tihange.

Risse, Risse, Risse

Gereon und Alice Hermens in ihrem Garten in Aachen. © Marcus Simaitis für ZEIT ONLINE

Die Geschichte des AKW Tihange ist ein deutsch-belgischer Wirtschaftskrimi. Es geht um Pannen, Panik, Klüngelei, Täuschung und Doppelmoral. Es ist auch eine Geschichte, die für die Schwierigkeiten steht, sich von einer riskanten Technik zu verabschieden, die billigen Strom liefert und satte Gewinne garantiert.

Diese Geschichte beginnt im Jahr 2012. Bei Ultraschalluntersuchungen der Reaktordruckbehälter in den beiden belgischen Atomanlagen Tihange und Doel stellen Experten tief im Stahl mysteriöse Risse fest. Die betroffenen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 müssen runtergefahren werden. Immerhin ist der Druckbehälter eine der kritischsten Komponenten eines Kernkraftwerks. In dem Stahlkokon liegen die Brennstäbe, hier spielt sich die nukleare Kettenreaktion ab. Sollte der Reaktor bersten, würde es zur Kernschmelze kommen. Schon wenige Stunden nach dem GAU könnte eine radioaktive Wolke mit den Westwinden Richtung Nordrhein-Westfalen ziehen. Einer Studie der Universität für Bodenkultur in Wien zufolge könnte Aachen im Ernstfall zum „langfristig unbewohnbaren Gebiet“ erklärt werden.

Im März 2014 mussten Tihange 2 und Doel 3 auf behördliche Anordnung erneut heruntergefahren werden. Der Grund: „unerwartete Resultate“ bezüglich mechanischer Resistenz. Tatsächlich ergaben spätere Tests, dass sich die Zahl der Risse auf 16.000 erhöht hatte. Diesmal, glaubten die Menschen in der Region Aachen, werde der Pannenreaktor nicht wieder ans Netz gehen.

Doch dann traf die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc eine überraschende Entscheidung. Ende November 2015 erteilte sie dem Betreiber die Genehmigung, Tihange 2 trotz aller Bedenken wieder hochzufahren. Fanc und der französische AKW-Betreiber Engie Electrabel hatten ihre Erklärung für die Risse inzwischen verändert. Es habe sich herausgestellt, dass die Risse im Metall nicht während des Betriebs, sondern wohl bereits bei der Produktion des Reaktorbehälters entstanden seien. Dabei handelt es sich genau genommen um Wasserstoffflocken, die beim Schmiedeprozesses in das Metall eingeschlossen wurden. Dass sich die Anzahl der Risse deutlich erhöht habe, habe allein mit der Messtechnik zu tun, die im Lauf der Jahre verfeinert worden sei. Die Fanc versichert: Die Bruchfestigkeit des betroffenen Behälters sei „nur leicht reduziert“ und liege immer noch eineinhalbfach über dem vorgeschriebenen Grenzwert.

Protest und Jodtabletten

Die Bevölkerung vor allem im grenznahen Aachen vertraut solchen Erklärungen aus Belgien schon lange nicht mehr. In der Region ist die wohl größte Antiatomkraftbewegung seit den Achtzigerjahren entstanden. Überall leuchtet die Forderung der AKW-Gegner in Gelb-Schwarz, sie klebt auf Autos und hängt als Poster in vielen Fenstern: „Stop Tihange“.

Helmut Etschenberg ist das politische Gesicht dieses Protests. Als Städteregionsrat vertritt er die Interessen mehrerer Gemeinden im Großraum Aachen. Zudem kümmert er sich auch um ein besseres Zusammenleben von Deutschen, Holländern und Belgiern im Dreiländereck. Vor zweieinhalb Jahren hatte er während einer Demo am Aachener Elisenbrunnen sein Anti-Tihange-Erweckungserlebnis. Ein Rollstuhlfahrer drückte ihm ein Protestpapier in die Hand und forderte ihn auf, eine Rede zu halten. Kurz darauf stand er auf der Bühne. Seither fühlt er sich als Chef der Städteregion berufen, „zu kämpfen, bis das Ding stillsteht“. Seine Behörde hat Infobroschüren gedruckt, Podiumsdiskussionen veranstaltet und Erklärvideos für den Ernstfall ins Netz gestellt. Im August 2017 startete er die Ausgabe von Jodtabletten an Zehntausende Bewohner der deutschen Gemeinden, als Vorsichtsmaßnahme. Im Ernstfall eingenommen sollen sie dafür sorgen, dass die Schilddrüse kein radioaktives Jod aufnehmen kann.

In der Eingangshalle von Etschenbergs Behörde wird derzeit eine Kunstausstellung gezeigt. Neben Darstellungen von apokalyptischen Landschaften findet sich eine Litfaßsäule mit Tschernobyl-Motiven im Postkartenformat. Strahlenopfer, Kinder mit Wasserköpfen und verklumpten Füßen, Tiere mit verkrüppelten Extremitäten. Daneben ein Plakat mit einer fiktiven SMS-Botschaft: „Liebster, es ist passiert: Tihange ist hochgegangen. Hier in Aachen Chaos, überall Sirenen, die Netze brechen zusammen (…) Ich hab solche Angst!“

Wir alle wären im Ernstfall betroffen.

Helmut Etschenberg

Etschenberg hat sein graues Haar akkurat zurückgekämmt, er trägt einen feinen dunkelblau-karierten Anzug, Manschettenknöpfe halten sein gletscherweißes Hemd. Wie ein Antiatomaktivist sieht er nicht gerade aus. Seit 2009 ist CDU-Kommunalpolitiker Etschenberg Chef des Städteregionsrats. Kritiker werfen ihm vor, er mache in Sachen Tihange Panik. Lässig legt Etschenberg seine Arme auf den Konferenztisch in seinem Büro, lächelt und schüttelt den Kopf. „Um Panikmache geht es hier nicht. Es geht um die reale Angst der Bevölkerung. Wir alle wären im Ernstfall betroffen.“ Er sei grundsätzlich kein Gegner der Atomkraft, aber was die belgische Regierung mit Tihange mache, sei verantwortungslos. „Hier werden Menschenleben aufs Spiel gesetzt und das nur aus einem Grund: wirtschaftliches Interesse.“

Belgien hat zwar bereits 2003 den Atomausstieg beschlossen, aber angeblich reicht der Strom aus alternativen Quellen noch immer nicht aus. Noch heute decken die Kernkraftwerke Tihange und Doel 50 Prozent des Bedarfs. Etwa eine Million Euro Gewinn werfe allein der Reaktor Tihange 2 pro Tag ab, schätzt Etschenberg. „Das ist Geld, auf das der belgische Staat nicht verzichten will. Nur so kann man sich erklären, dass der Reaktor noch immer läuft.“

Etschenberg vermutet dahinter eine mächtige Atomlobby. Er nennt den Namen eines Mannes, der in dem Konflikt über die Grenzen hinweg zur Reizfigur geworden ist: Jan Bens. Er war Chef der belgischen Atomkontrollbehörde Fanc bis Ende April und hatte die Risse immer wieder für unbedenklich und den Reaktor für sicher erklärt. Wie die meisten Tihange-Gegner hat auch Etschenberg erhebliche Zweifel an der unabhängigen Expertise des Fanc-Leiters. Fast sein gesamtes Berufsleben, von 1978 bis 2007, arbeitete er für den belgischen AKW-Betreiber Electrabel. Anschließend ging er als Vizedirektor zur World Association of Nuclear Operators, der Dachorganisation der Betreiber von Nuklearanlagen. 2013 wechselte er schließlich zur Fanc, wo er seitdem für die Aufsicht über seinen ehemaligen Arbeitgeber verantwortlich ist. Auch mit Korruption hatte er schon zu tun, wie er 2015 in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Soir zugegeben hatte. Als er für Electrabel in Kasachstan tätig war, habe man ihm Schmiergeld in Umschlägen angeboten, und „ich habe anderen welches angeboten. In Kasachstan, da lief alles über Bargeld“, sagte Bens.

 

Ein Reaktor mit vielen Fehlstellen

Schon 2016 hat der Städteregionsrat die Fanc aufgefordert, ihm eine Kopie der offiziellen und vom belgischen König unterzeichneten Urkunde zu überreichen, mit der 2015 das Wiederanfahren des Reaktors genehmigt worden sei. „Bis heute hat man uns diese Urkunde vorenthalten“, poltert Etschenberg. „Wir vermuten, dass es sie gar nicht gibt.“

Die Sicherheit der Anlagen hat höchste Priorität.

Electrabel-Sprecherin

Nun soll die Stilllegung der Atomanlage juristisch erzwungen werden. 2016 hat die Städteregion zwei Klagen in Belgien eingereicht. Inzwischen unterstützen 130 Kommunen das Vorgehen – von Gelsenkirchen bis nach Luxemburg. Im Herbst soll es vor einem belgischen Gericht eine erste mündliche Anhörung geben. Der Betreiber zeigt sich indes unbeeindruckt. Auf Anfrage sagt eine Elctrabel-Sprecherin, man wisse um die Ängste der Tihange-Gegner, könne aber ihrer Argumentation nicht folgen. Immerhin müssten die Kraftwerke pro Jahr 50 unabhängige Audits durchlaufen. „Die Sicherheit der Anlagen und der 2.000 Mitarbeiter hat höchste Priorität“, sagt sie.

Zahlreiche Atom-Wissenschaftler sehen das anders. Tihange 2 müsse stillgelegt werden, forderten vor knapp drei Wochen namhafte Vertreter der International Nuclear Risk Assessment Group aus aller Welt, die die Städteregion nach Aachen eingeladen hatte. In Vorträgen analysierten die Experten die Schäden im Reaktordruckbehälter, beschrieben detailliert die Folgen einer möglichen Kernschmelze und errechneten auf Grundlage meteorologischer Bedingungen, wie das Grenzgebiet von einem radioaktiven Fallout betroffen sein könnte.

Dieser Reaktor muss sofort vom Netz.

Physiker Wolfgang Renneberg

Und nicht nur das. Sie warfen den AKW-Betreibern vor, wichtige Unterlagen manipuliert zu haben, um die Inbetriebnahme nicht zu gefährden. „Wir sind inzwischen sicher, dass die Risse schon beim Bau des Reaktors festgestellt worden waren. In den ersten Protokollen tauchen sie auf, in den weiteren für die Genehmigung relevanten Unterlagen sind sie plötzlich wieder verschwunden“, sagt Physiker Wolfgang Renneberg, bis 2009 Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Entsorgung des deutschen Bundesumweltministeriums und heute Berater der Städteregion. „Es gibt nur eine Erklärung: Entweder der Antragssteller hat die Behörde getäuscht oder die Behörde hat mitgemacht. Ein Reaktor mit so vielen Fehlstellen wäre sonst von keiner Kontrollbehörde der Welt genehmigt worden.“

Der Fanc wirft Renneberg vor, das Problem zu verharmlosen. „Ich habe schon lange mit Atomanlagen zu tun, aber das ist der schlimmste Fall, den ich je gesehen habe. Dieser Reaktor muss sofort vom Netz.

Dass dem nicht so ist, daran ist auch Deutschland nicht unschuldig, denn es gibt keine einheitliche politische Linie gegenüber Tihange. Im Februar forderte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zwar die Abschaltung des Reaktors. Dasselbe hatte 2016 auch die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verlangt. Im vergangenen Jahr musste Hendricks allerdings einräumen, dass sie die Lieferung von Dutzenden Brennstäben aus den Fabriken im münsterländischen Gronau und Lingen in Niedersachsen an die belgischen Kernkraftwerke gebilligt hatte. Auf Kritik antwortete das Bundesumweltministerium in Berlin gelassen: „Es kommt vor, dass die Rechtslage nicht alles zulässt, was man politisch für wünschenswert und richtig hält“, ließ es über eine Sprecherin mitteilen.

Außerdem stellte sich heraus, dass das Land NRW den Betrieb der Bröckelreaktoren, wie der damalige grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel die Anlagen nannte, über indirekte Beteiligungen mitfinanziert hatte. 23,3 Millionen Euro hatte der NRW-Pensionsfonds in Anleihen und Indexzertifikate der Betreiber investiert. Als das im vergangenen Jahr bekannt wurde, hat das Land die heiklen Papiere eilig abgestoßen.

Die belgischen Bürger haben dem Streit um das AKW Tihange lange tatenlos zugeschaut. Vielleicht auch, weil das Land bis 2025 ohnehin aus der Atomenergie aussteigen will. Zum Vergleich: Deutschland will bis 2022 den letzten Meiler vom Netz nehmen. Doch allmählich regt sich auch bei den Nachbarn Widerstand. Vor wenigen Wochen hat sich die mächtige wallonische Kommune Lüttich der Forderung angeschlossen, den Reaktor stillzulegen. „Das ist ein großer Erfolg“, triumphiert Etschenberg, „der Druck steigt.“

Das Verbindende einer Menschenkette

Auch die Protestierenden in Deutschland spüren, dass sich die Haltung der belgischen Bevölkerung geändert hat. „Jahrelang hatte man den Eindruck, dass es die Belgier kaum interessiert. Das hatte wahrscheinlich auch damit zu tun, dass man sich vom großen Nachbarn Deutschland nicht bevormunden lassen wollte“, sagt Familienvater Gereon Hermens. „Doch allmählich bewegt sich was.“ Im vergangenen Sommer hatten die Protestgruppen eine grenzübergreifende Menschenkette mit etwa 50.000 Teilnehmern organisiert. Etwa 200 Meter der Kette besetzten Familie Hermens und ihre vielen Mitstreiter. „Es war eine tolle Aktion, die auch bei den Belgiern etwas ausgelöst hat“, sagt Hermens.

Tihange ist ein bestimmendes Thema in meinem Leben.

Lars Vollpracht

Auch der Elektroingenieur Lars Vollpracht war bei der Menschenkette dabei. Der 50-Jährige, der mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus im Aachener Stadtteil Haaren lebt, protestiert seit 2012 gegen Tihange. Seitdem lässt ihn die Sorge über einen Reaktorunfall nicht mehr los. Vollpracht, kurzes schütteres Haar, drahtiger Körper, Vater von drei Jungen, lässt kaum eine Kundgebung aus, geht beinahe alle zwei Wochen zu den Aktionstreffen ins Aachener Welthaus.

Atomkraftgegner Lars Vollpracht © Marcus Simaitis für ZEIT ONLINE

„Tihange ist ein bestimmendes Thema in meinem Leben. Oft beschäftige ich mich den ganzen Tag damit, auch wenn ich weiß, dass das nicht gut ist“, sagt er und starrt nachdenklich in den Raum, Furchen ziehen sich durch sein Gesicht. Er zeigt auf die neue Ausgabe der regionalen Tageszeitung, die wieder über Tihange berichtet. „Ich will das manchmal gar nicht mehr lesen, weil es belastend ist. Aber meistens tue ich es doch.“ Auch das Familienleben habe gelitten, weil er wegen der Aktionen oft nicht zu Hause sei. Und trotzdem: „Was ist, wenn es passiert? Mit Fukushima hat auch niemand gerechnet.“ Mit der Atomkraft müsse endlich Schluss sein, sagt Vollpracht.

Gemeinsam mit Alice Hermens arbeitet Vollpracht daran, die Schulen davon zu überzeugen, Katastrophenpläne für den nuklearen Ernstfall zu entwerfen und sich Jodtabletten, Schutzanzüge und Masken anzuschaffen. Das Interesse sei zwar vorhanden, doch die für Aachen zuständige Bezirksregierung Köln stoppte das Engagement zumindest offiziell. In ihrer Antwort schreibt die Behörde, dass solche Maßnahmen laut Beschluss der Kultusministerkonferenz nicht vorgesehen seien.

Offiziell kein spezielles Risiko

Auch vergangenes Wochenende war Vollpracht wieder in Sachen Tihange unterwegs. Das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie hatte zu einer besonderen Aktion aufgerufen. Mit anderen deutschen Aktivisten radelte Vollpracht ins belgische Eupen, um auf einer Polizeistation Strafanzeige gegen den belgischen Innenminister, die Fanc und den AKW-Betreiber Engie Electrabel zu erstatten. „Die Polizisten waren sehr freundlich, sie hatten sogar schon Bestätigungsformulare vorbereitet“, erzählt Vollpracht. Allein in Eupen gingen 176 Forderungen an den Staatsanwalt des Königs ein, eine Untersuchung einzuleiten.

Seit Neustem hat offenbar sogar die belgische Regierung Zweifel an der Sicherheit der eigenen Reaktoren, deren Abschaltung sie seit Jahren verhindert. Im März hat Brüssel vorsorglich 45 Millionen Jodtabletten zur kostenlosen Verteilung an die Bevölkerung bestellt. Als Anlass zur Sorge sollte das nicht verstanden werden, versicherte Innenminister Jan Jambon im belgischen Fernsehen. „Momentan besteht kein spezielles Risiko in Verbindung mit unseren Atomkraftwerken.“

Vollständiger Artikel: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/kernkraftwerk-tihange-anwohner-widerstand-angst

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